Lenin grüßt nicht mehr
In Bulgarien ist Sommer- und Wintersport möglich – sogar in Sofia bis Mitte April
Bulgarien mit der Schwarzmeerküste lockt im Sommer viele Badegäste an. Zu kommunistischen Zeiten war es eines der Reiseziele schlechthin für Bürger aus der ehemaligen DDR. Jetzt will das kleine Land zwischen Serbien, Mazedonien, Rumänien und Griechenland gelegen auch Skifahrer anlocken. In Bulgarien Ski zu fahren, gilt noch als exotisch. Noch extravaganter ist es, per Flugzeug nach Sofia zu fliegen und mit dem Bus zum Witoscha Gebirge zum Nachtskifahren zu fahren. Das Witoscha Gebirge (auch Vitosha) war der erste Nationalpark in Bulgarien seit 1934 und auf der Balkanhalbinsel. Nur rund eine halbe Stunde dauert die Fahrt durch die nächtliche Hauptstadt bis hin zum Naturpark Witoscha, wo sowohl Ski gefahren als auch gewandert wird. Es gibt 12 Skilift-Seilanlagen, 29 Kilometer Piste mit der längsten Abfahrt von 5 Kilometern und vor allem die Möglichkeit, auch bei Flutlicht abends über die Piste zu brettern. Beim Parkplatz dröhnt der Sound von „Cocaine“ aus den Lautsprechern. Die gut beleuchtete Flutlichtpiste mit dem Kunstschnee sieht recht steil aus, ist nur für Fortgeschrittene und gut frequentiert. Ein Sessellift bringt die Skifahrer durch die Dunkelheit hoch über den Tannenspitzen zur Endstation. Es weht ein heftiger, eisiger Wind. Die Piste ist nichts für Anfänger und stellenweise an den steilen Stellen extrem verharscht. Es ist nicht einmal möglich, die Skistöcke in den Schnee oder besser die Eisplatten zu stechen. Einige Bulgaren rasen fast in Schussfahrt direkt an mir vorbei rechts und links den Abhang hinunter. Ein Bulgare stützt auf einer der Eisplatten und muss ärztlich versorgt werden. Ganz am Ende ist eine lockere Schussfahrt möglich. Unermüdliche fahren bis zum Schluss um 22 Uhr weiter, andere kehren in eine Skihütte mit Selbstbedienung ein. Die höchste Hütte liegt übrigens auf 1820 Metern.
Wer Après-Ski betreiben will und auf Folklore steht, besucht in Sofia das urgemütliche Restaurant Vodenitzata. Die ausgestellten Weinflaschen verraten viel über die heimischen, guten Tropfen, die bis zu 1200 Euro kosten können. Die Backsteinwände sind liebevoll mit Kunsthandwerk, getrockneten Paprikas und roten Herzen dekoriert. Die Portionen von Fleischspießen, Fisch, Dessert wie Kürbis mit Mandeln oder Triamisu sind sehr reichlich und der Rotwein schwer. Zur Mahlzeit tanzen Männer und Frauen in landestypischer roter Tracht mit Stickerei mit viel Lebensfreude vor den Gästen. Zum Abschluss gibt es als Deko zum Mitnehmen winzige Lederschühchen. Traditionell trinken die Bulgaren zu Beginn des Essens einen Schnaps zum Salat. Dann folgen meist Suppe oder eine andere Vorspeise mit Schafskäse, viel Fleisch und ein Dessert aus Blätterteig oder mit Sesam.
120 Kilometer von Sofia entfernt, lockt Bansko als bekanntestes Skigebiet Touristen aus Deutschland, Großbritannien und Russland an. Aber auch Einheimische versuchen sich im Skifahren in einem malerischen Gebiet am Piringebirge und einer Auswahl an 75 Kilometern Piste mit 15 Liften und der Möglichkeit, von dem höchsten Punkt auf 2600 Metern hinab auf einer blauen, aber auch roten Piste nach Bankso auf Skiern oder dem Snowboard hinunterzufahren. Es gibt Skischulen, auch eine für Snowboardfahrer. Ein kleiner Lift, der wie ein Förderband für Koffer aussieht, transportiert die Snowboarder. Sie üben abseits der anderen, gut befahrenen Pisten. Es ist nicht ganz einfach, sich zurechtzufinden, da das Gebiet so groß ist und höhere Punkte wiederum mit Sesselliften zu erreichen sind.
Auf einer Strecke, die sehr steil und eisig ist, stecken im Winter 2011 schon rote Fähnchen für einen Kontinentalcup. Sehr ernst dreinblickende Security-Leute mit verspiegelten Sonnenbrillen und imposanten Körpern bewachen die bereits präparierte Strecke, wo einige Skifahrer üben. Die vielen Schneekanonen verraten, dass bei den milden Temperaturen nachgeholfen wurde. Der Skiverleih liegt an der Gondelstation mit einer großen und guten Auswahl an Völkl oder Atomic-Skiern, Stöcken, Helmen, Skischuhen und Snowboards. Je nach Saison kostet der Skipass zwischen 23 bis 27 Euro für einen Tag und einen Erwachsenen. Ein Tag Skischule liegt bei 30 Euro. Wer einen persönlichen Skilehrer bucht, zahlt 80 Euro pro Tag. Die Leihgebühr für die Ausrüstung kostet 15 Euro. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in Bansko reichlich. Die meisten Häuser sind im bulgarischen Stil erbaut, die Hotels wirken wie aus einer Bergkulisse in Österreich. Bis Mitte oder sogar Ende April dauert die bulgarische Skisaison, die auch in Pamporovo möglich ist. Sommertouristen haben die Möglichkeit zu wandern.
(c)Corinna S. Heyn